Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Handlungsfeld 1

Gesellschaftlichen Zusammenhalt erreichen

Zusammenhalt zu gewährleisten in einer Periode der Notwendigkeit globaler, existenzieller Veränderung, ist eine immense Herausforderung. Anders als z.B. die → neolithische Transformation (Sesshaftwerdung des Menschen) oder die → industrielle Revolution ist die aktuelle Periode dadurch gekennzeichnet, das Gesamtsystem Planet Erde und seine natürlichen Prozesse zu erhalten, um die Zukunftsfähigkeit der Spezies Mensch zu gewährleisten.

Die vielfältigen Wege zur Lösung bergen enorme Risiken und gleichzeitig das Versprechen „auf dieser gemeinsamen Reise … niemanden zurück zu lassen“ (Präambel der UN Agenda 2030). Unbestreitbar ist: jeder Wandel berührt unmittelbar die Anpassungsfähigkeit des Menschen als Organismus, Individuum und soziales Wesen.

Es geht nicht mehr darum, klassische Gegenpole oder Konflikte der sozialen Marktwirtschaft zu moderieren (Arbeit/Kapital, Vermögend/Unvermögend, Zugang zu politischer Willensbildung/Ausschluss etc.), sondern um deren Überwindung. Es geht vor allem darum, konkrete neue Anwendungsmodelle für den "Klebstoff" zu entwickeln, der Gesellschaft zusammenhält.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt ist der Gelingensfaktor für nachhaltige Entwicklung. Ein → umfassender Ansatz von Nachhaltiger Entwicklung stellt hierfür künftig den Rahmen. Eine Transformation, bei der niemand zurückgelassen werden soll, kann nur relativ gleichmäßig erfolgen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Wegstrecken, unterschiedlicher Transportmittel bzw. Ressourcen und unterschiedlicher Zeitdauer.

Wenn man notwendige Transformation jedoch nur auf ökologischem Gebiet sieht, bleibt auf der Strecke, dass sich Gesellschaft weltweit auch mit anderen großen Transformationen konfrontiert sieht, die ebenfalls herausfordern:

  • Digitalisierung, die nicht nur Erwerbsarbeit als Organisationsprinzip in Frage stellt, sondern die Art der für gesellschaftliche Integrität notwendigen Kommunikation fundamental verändert,
  • der damit verbundene Wandel der Arbeitswelten insgesamt, die auch dem Trend zur Individualisierung (beispielhaft: „digital nomads“ ) Vorschub leistet,
  • die mit Nomadentum in den Arbeitswelten verbundene Umkehrung der neolithischen Transformation, die das Potenzial hat, Gesellschaft zu verändern,
  • die seit Ende der 70er Jahre fortschreitende, zunehmende Individualisierung / Vereinzelung, deren Autonomie als Konsummerkmal längst zu einem Instrument von Marketing geworden ist,
  • Migration als Massenbewegung, die kein neues Phänomen ist, jedoch aufgrund ihres generell strukturverändernden Potenzials für gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Systeme als besonders gravierend erscheint.

Was bedeutet dies für gesellschaftlichen Zusammenhalt?

Issac Newton hat das das Gravitationsgesetz postuliert und mit gegenseitiger „Anziehungskraft“ umschrieben, die Massen aufeinander hätten. Dabei blieb er jedoch im Nebulösen darüber, was diese Anziehungskraft auslöst: sie hält das Universum zusammen, obwohl es sich ständig ausdehnt und immense Kräfte auf das System einwirken.

Fest steht: je größer die Masse, desto größere Anziehungskraft übt sie auf andere Massen aus. Um es mit anderen Worten zu sagen: je attraktiver ein Objekt oder eine Idee ist, desto mehr Bindungswirkung hat es oder sie auf andere.

Aber was ist der Attraktor in einem dynamischen System wie der Gesellschaft? Gibt es überhaupt den einen oder konkurrieren mehrere Attraktoren miteinander und führen so zu konkurrierenden Formen des Zusammenhalts? Was macht Gesellschaft aus? Gibt es die eine globale Gesellschaft (d.h. Gemeinschaft aller Menschen) oder konkurrieren Gesellschaften miteinander und führen so letztlich zu konkurrierenden Formen des Menschseins?

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

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