Wissenschaftsjahr 2015

Wissenschaftsjahr 2015 – Zukunftsstadt

Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit war Partnerin des Wissenschaftsjahres 2015

 
Wissenschaftsjahr 2015 - ZukunftsstadtIm Wissenschaftsjahr 2015 wurden die großen gesellschaftlichen Herausforderungen konkret in der Stadt diskutiert. Dies galt u.a. für die Themen: Wohnen, Arbeiten, Freizeit/Kultur, Bildung, Mobilität, Raumnutzung, internationale Vielfalt. Diese und noch viele weitere Themen wurden durch neue Formate der Beteiligung, die Bürgerwissen, Forschung und politisches Handeln verbinden, erprobt.
(Quelle: BMBF)
 
Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit beteiligte sich intensiv mit einer eigens hierfür entwickelten Workshopreihe „Urbane Zukunft“.

Einleitung
Heute leben bereits rund drei Milliarden Menschen in Städten, weitere drei Milliarden sollen innerhalb der nächsten 40 Jahre hinzukommen. Historische Metropolen wie London, Paris oder Berlin setzen auf die digitale Technologie, um ihre stetig wachsende Bevölkerung aufnehmen zu können. Durch Optimierung von Energienetzwerken, öffentlichen Transportmitteln, Fuß- und Autoverkehr versuchen sie, den demografischen Herausforderungen gerecht zu werden. Gemeinsam mit Technologieunternehmen möchten viele Regierungen aus heutigen Metropolen eine „ubiquitäre Stadt“ machen, in der alles vernetzt ist. Millionen von Sensoren in der gesamten Infrastruktur, in allen Gebäuden liefern Daten an einen Zentralrechner, der den Großteil der städtischen Dienste so effizient wie möglich steuert. Die Daten werden weitestgehend automatisch in einer Schaltzentrale gesammelt und ausgewertet, wie in einem Science-Fiction-Szenario.

Der Begriff Smart City erfreut sich in vielerlei Branchen auf globaler Ebene einer zunehmenden Sogwirkung. Als konzeptuelle Antwort auf aktuelle wirtschaftliche, soziale und politische Herausforderungen, wird er mehr und mehr als Titel für Konferenzen, Messen, politische Debatten, Großprojekte von Konzernen und Städten sowie Forschungsrichtungen verwendet.

Die Stadt von morgen soll energieeffizient, technologiebasiert und sozial interaktiv sein. Smart Cities sind die Zukunft und somit der „Ort“ für profitable Großinvestitionen, in welche unterschiedlichste Unternehmen, Politiker und Geldgeber involviert sein wollen. Futuristische Planstädte sind Prototypen grüner und supervernetzter Metropolen mit neuester Digitaltechnologie und Umwelttechnik und sie vermehren sich in vielen Ländern geradezu viral. Die neuen Städte, die quasi aus dem Nichts entstehen, sind als umweltfreundliche und energiesparende Lebensräume konzipiert. Solche Städte sollen rund 30 Prozent weniger Ressourcen verbrauchen, als „alte“ Metropolen wie Paris oder London.

Dafür benötigt man jedoch eine (r)evolutionäre Technologieverwandlung: Wie wir in der Stadt unterwegs sind, der genaue Energieverbrauch der Haushalte, unsere Kommunikation untereinander – das alles wird in Zentralrechnern gespeichert, damit die Städte optimal funktionieren. Diese Daten bringen zwar Erleichterungen in allen Lebensbereichen, doch sie schüren auch die Angst vor einer Überwachungsgesellschaft. Für manche sind diese neuen Städte ein Traum und mögliches Zukunftsmodell. Andere wiederum sehen darin seelenlose Orte, die Orwells Alptraum Wirklichkeit werden lassen. Das Konzept der Smart Cities wirft letztlich eine Vielzahl politischer Fragen auf:

  • Führen die neuen urbanen Technologien zu einem verstärkten kollektiven Bewusstsein, in dem sich der Einzelne mit der Gemeinschaft stärker verbunden fühlt?
  • Oder sind diese digitalen Informationen auch das neue Mittel einer zentralen Macht, einer Art Big Brother, das urbane Leben bis ins kleinste Detail zu kontrollieren?
  • Sind diese neuen Städte wirklich effizient?
  • Sind sie bewohnbar?
  • Oder sind es letztlich nur urbane Utopien?

SechsGrad Innovation (heute: Institute for Urban Interactions)
hat in Kooperation mit der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit e.V. eine Workshopreihe „Urbane Zukunft“ konzipiert. Mit dem Slogan „People make smarter cities“ wurde der Aspekt Smart People in den Mittelpunkt gestellt, die Workshops wurden wegen der Einbindung internationaler Gäste in Englisch abgehalten:

Teil 1: What is a Smart City? An interactive introduction
Teil 2: Megatrend Smart City – The theory of Matthias Horx & a resilient future
Teil 3: Bottom-up Urban Innovation – How to build on existing projects by the people
Teil 4: Smart Governance & „Kiez„management
Teil 5: Smart Education – How to use Design Thinking at Schools (Project Kottibuch)
Teil 6: Cloud Computing & The Internet of Things
Teil 7: Scientific Tools to predict the Future of the City
Teil 8: Citizen right to a Smart City

Ziel eines jeden Workshops war es, mit Hilfe der Design Thinking Methode den Teilnehmenden zu helfen, sich in der Gruppe mit jedem der obengenannten Themen bzw. Fragen auseinanderzusetzen und zu versuchen, die besten Szenarien für die einflussreichste Beteiligung der Bürger in den Städten der Zukunft zu entwerfen. Von daher basierte jeder Workshop auf einem der heiß diskutierten Aspekte des Konzepts “Smart City”.

Die Teilnehmenden waren Studierende, junge Entrepreneure, Ehrenamtliche und Mitarbeitende aus unterschiedlichen Organisationen und Institutionen in Berlin, die sich mit dem Thema nachhaltige Stadtentwicklung beschäftigen. Auf lange Sicht ging es darum, ein ko-kreatives Netzwerk aufzubauen, das nicht nur durch Kontaktaustausch, sondern durch gemeinsame nutzerzentrierte Ideenentwicklung verbunden ist.

SechsGrad Innovation (heute: Institute for Urban Interactions) hat im Zuge der Workshops als Vermittler der Innovationsmethoden sowie Generator von Einsichten über den Nutzer durch interaktiven Gruppenaustausch im noch sehr jungen Bereich Smart Cities eine zentrale Rolle eingenommen. Nach der erste Phase wurden die Ergebnisse analysiert und anhand dessen die zweite Workshopreihe konzipiert.

Methodisch
entsprachen die Workshops dem „Design Thinking“, ein von Professoren der Stanford University entwickelter Prozess zur Förderung kreativer Ideen. Er schafft Raum für innovativen Austausch: Die Methode fokussiert darauf, Innovationen hervorzubringen, die sich am Nutzer orientieren und dessen Bedürfnisse befriedigen. Sie ist eine iterative Innovationsmethode, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und darauf bedacht ist, ausgehend von Interviews und Recherche kreative Lösungen für echte Probleme realer Menschen zu entwickeln. Diese Methode besteht aus sechs Phasen: 1. Verstehen, 2. Beobachten, 3. Synthese, 4. Ideenfindung, 5. Prototypen, 6. Testen.

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